Ein Beispiel-Review von Ryu vor 1 Jahr

  • Genre:
    4 / 5
  • Geschichte:
    4 / 5
  • Bilder / Animation:
    4 / 5
  • Charaktere:
    5 / 5
  • Musik:
    2 / 5
Wikipedia sagt: „Die Osteologie ist die Lehre von den Knochen bzw. vom Skelettsystem. Sie beschäftigt sich auch mit dem Vergleich dieser Systeme und ist ein interdisziplinäres Themengebiet. Das heißt, bei der Erforschung des gesunden sowie des krankhaft veränderten Knochengewebes wirken Naturwissenschaftler, Ärzte, Ingenieure und Vertreter anderer Fachgebiete mit.“ Osteologen sind wiederum Ärzte, die eine spezielle Weiterbildung über Knochenerkrankungen absolviert und ihre Kenntnisse durch Prüfungen nachgewiesen haben. Ob Sakurako Kujô jemals solch eine Prüfung absolviert hat, ist zwar nicht übermittelt. Nichtsdestotrotz zeigt sie in Sakurako-san no Ashimoto ni wa Shitai ga Umatteiru eine ungewöhnlich starke Liebe für Knochen, Skelette und für Körper, die eines nicht natürlichen Todes gestorben sind.

Unser Protagonist nennt sich allerdings Shôtarô Tatewaki und besucht eine Oberschule in einem kleinen Städtchen im Hokkaido der heutigen Gegenwart, die nur wenige Jahre zuvor noch eine reine Mädchenschule war. An dieser Stelle muss ich allerdings direkt die Entwarnung aussprechen, dass das Werk keinerlei Ecchi-, geschweige denn Harem-Elemente aufweist. Dieser Fakt kommt im späteren Verlauf der Geschichte nur noch einmal zum Tragen. Shôtarô ist zwar gut in der Schule und hat einige Freunde, der Gedanke, dass er sein Leben nach verschiedenen Vorgaben richten soll – Schule, Universität, Arbeit, Haus, Familie, Tod – langweilt ihn aber zutiefst. Umso erfreulicher ist für ihn deshalb die Begegnung mit der schönen, geschätzt 22-jährigen Sakurako Kujô, die etwas abseits der Stadt in einem pompösen Anwesen haust.

Sie ist wohlhabend, hübsch und hat einen Verlobten – der allerdings nie in Erscheinung tritt. Es scheint, als wären alle Voraussetzungen für ein perfektes Leben gegeben, nichtsdestotrotz hält sie nur sehr wenig von sozialer Interaktion und mag in der Regel keine anderen Menschen. Auch ihr Hobby ist alles andere als gewöhnlich: Als Osteologin ist sie regelrecht verrückt nach Knochen von toten Tieren und dem Rekonstruieren der Skelette. Ein noch viel größeres Interesse hegt sie allerdings für menschliche Überreste, gerade wenn nicht die Altersschwäche der Grund für ihren Verfall ist. Sie besitzt zudem eine ausgeprägte Auffassungsgabe und hat ein gutes Auge für die kleinen Details, was ihr im Verlauf der Geschichte oft sehr hilfreich ist.

Die gleichnamige Light Novel geht auf das Konto von Autor Shiori Ôta, dessen Werk seit 2013 bei Kadokawa Shoten erscheint und bisher acht Bände hervorbrachte. Das Animationsstudio Troyca übernahm die Produktion der zwölfteiligen Anime-Adaption, die im vergangenen Oktober an den Start ging und somit ein Teil der Herbstseason war. Makoto Katô nahm dabei im Regiestuhl Platz und beaufsichtigte die Umsetzung der Serie.

Ein wirkliches Hauptziel verfolgt die Handlung nicht. Die Adaption ist sehr klassisch episodisch aufgebaut und hat die meiste Zeit über die vorgestellten Charaktere im Fokus, die recht häufig in der freien Natur unterwegs sind, auf der Suche nach tierischen Überresten. Auffällig oft stolpern sie dabei allerdings über menschliche Knochen, die ausnahmslos alle das Resultat eines unnatürlichen Todes sind, wodurch die detektivische Aufarbeitung auf der Suche nach Ursache und Täter ihren Lauf nimmt. Die soziale Unbeholfenheit von Sakurako gepaart mit der typisch japanischen Bescheidenheit von Shôtarô weiß dabei viel Charme und Witz zu versprühen. Auf der anderen Seite sorgt die Schönheit durch ihre sehr direkte Art ein ums andere Mal für heikle Situationen, wenn sie beispielsweise jeden in ihrer Nähe von oben herabblickend als dumm bezeichnet, wenn sie nicht die kleinen Details wahrnehmen, die sie sofort sieht. Sie scheut sich auch nicht Dinge auszusprechen, die sich ein anderer nicht einmal zu denken wagt, die ihr aber sehr häufig dabei helfen, schneller an des Rätsels Lösung zu gelangen. Nichtsdestotrotz hat man – ohne spoilern zu wollen – bei manchen Äußerungen und Aktionen bereits als einfacher Zuschauer ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, wenn sie beispielsweise den Knochen eines toten Mädchens in die Gesichter ihrer zwei besten – noch lebenden – Freundinnen drückt und sie des Mordes beschuldigt. Allerdings macht diese Tatsache auch einen gewissen Reiz aus, durch den sich die Serie und vor allem der Protagonist von der breiten Masse abheben können.

Weniger auffällig ist dem hingegen der Zeichen- und Animationsstil der Adaption. Was keineswegs als schlecht aufzufassen ist, es entspricht lediglich dem heutigen, durchaus sehenswerten Standard. Die Hintergründe sind detailreich und farbenfroh, in ländlichen Gegenden und Wäldern herrscht durch Wind und Wetter viel Bewegung und die Charaktere fügen sich durch passende Gestaltung und Schattierung nahtlos in die Szenerie ein. Allerdings ist der etwas zu geringe Grad an Individualität beim Design der Personen anzumerken, da ich mich nicht nur einmal dabei erwischte, wie ich vor allem die weiblichen Charaktere aufgrund ihres äußerlichen Erscheinungsbildes des Öfteren miteinander verwechselte. Eine gewisse Ähnlichkeit zu anderen Werken fiel mir auch bei der musikalischen Untermalung der Serie auf. So erinnert mich das Opening „Dear Answer“ der Band True sehr an „Hacking to the Gate“ von Kanako Itô, das als erstes Opening für mein Lieblingswerk Steins;Gate verwendet wurde. Ob es nur ein Zufall ist, dass in beiden Werken der Schmetterling eine mal mehr und mal weniger wichtige Rolle spielt? Na ja, das Ending mit dem Titel „Uchiyoserareta Bôkyaku no Zankyô ni“ war das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Yuki Ootake mit der Gruppe Technoboys Pullcraft Green-Fund und kommt mit sehr ruhigen Klängen daher. Die sonstige musikalische Untermalung gestaltet sich eher unauffällig. Einzig der gewählte Sound für die entscheidenden, annähernd dramatischen Szenen blieb mir leider negativ in Erinnerung, da mir dieser häufig zu aufdringlich erschien.

Detektivgeschichten, die als Anime-Serie umgesetzt werden, haben zudem häufig noch ein weiteres Problem: Eine Folge umfasst abzüglich der Titellieder rund zwanzig Minuten. Das ist in der Regel einfach zu wenig, um einen Fall ordentlich zu erzählen und darzustellen. Auch Sakurako-san leidet unter dieser Kürze. Es gibt zwar drei Fälle, die über je zwei Folgen verteilt wurden, aber die Geschwindigkeit, mit der eine Episode voranschreitet, ist meistens einfach viel zu hoch. Der interessierte Zuschauer mag bei solchen Geschichten gerne mit dabei sein, mit raten und durch die gezeigten Hinweise selbst auf des Rätsels Lösung kommen. Bei Sakurako-san ist das aber nur sehr selten möglich. Unsere Knochenliebhaberin springt in den meisten Folgen plötzlich auf und hat die erlösende Antwort dafür, was geschehen ist. Abgesehen von der hohen Geschwindigkeit sind die dargestellten Themen und Fälle nichtsdestotrotz absolut nachvollziehbar. Es gibt keine völlig absurden Tathergänge, keine Auflösungen, auf die man erst über drei Ecken hätte kommen können, sondern wirklich glaubwürdige Geschichten, die mir gut gefallen haben.

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Serie zwar durchaus ihre Schwächen hat. Ich gebe ihr allerdings trotzdem eine positive Abschlussnote, da die Nachvollziehbarkeit des Werkes gepaart mit der Konstellation und den Persönlichkeiten der Charaktere etwas Neues und etwas Sehenswertes darstellt. Aufgrund des episodischen Aufbaus kann man natürlich kein Meisterwerk erwarten, solltet ihr neben euren Hauptserien aber noch auf der Suche nach einer ordentlichen Serie für zwischendurch sein, seid ihr mit Sakurako-san sehr gut bedient.

Quelle: http://proxer.me/forum/210-rezensionen/377298-sakurako-san-no-ashimoto-ni-wa-shitai-ga-umatteiru#735975
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